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Presseartikel zur Einzelausstellung "Bildstörung" im Rhein-Sieg-Anzeiger

 

Den Auftakt markiert eine "Handstudie", noch ganz im Banne der Ausbildung, die Rolf Mallat an der FH Köln absolviert hat. Das (vorläufige) Ende bildet die "Fabrikarbeiterin", in der sich Malerei, Zeichnung und verschiedene Bildebenen überblenden. Dazwischen liegt ein weiter Weg, den der Troisdorfer Künstler zurückgelegt hat, bezeugt durch 70 Arbeiten, die nun im Pumpwerk zu sehen sind.

"Bildstörung" ist diese Retrospektive überschrieben, die sich Kunstvereinsmitglied Rolf Mallat nach rund 35 Schaffensjahren "ganz bewusst gegönnt" hat, wie er bekennt. Der Titel verweist auf eine zentrale Werkphase: ab 1999 werden Farbwolken in Acryl von blauen Balken und Friesen begrenzt, die ihrerseits wie Details aus Wolkenbilder wirken. Kleine Irritationen habe er schon Anfang der 80er Jahre in ein Bild eingefügt, "wenn es mir zu schön war", sagt der 60-jährige.

So bewahren graphische Elemente wie Gitter oder eine nur skizzierte Hand den Akt "Winterschatten" vor dem Abgleiten in akademische Glätte. Zu jener Zeit dominiert freilich noch das Zeichnerische bei Mallat, der mit einem grüblerischen "Selbst vor dem Spiegel" Fühlung mit Dürer und Rembrandt aufnimmt, der Ikonen des deutschen Films wie Fassbinder und Kinski porträtiert oder Politiker karikiert. Dass Mallat die Dankesschreiben aus den Ministerien daneben gehängt hat, zeigt Sinn für Ironie. Joschka Fischer nämlich mahnt gleichzeitig mit dem Lob für die geglückte Darstellung an: "In Zukunft etwas schmaler bitte."

Zu Beginn der 90er Jahre schwimmt Mallat im Fahrwasser der Abstraktion. Beton, Sand, Spachtelmasse und Papier geben den Bildern eine reliefartige Struktur. Der Mensch ist in diesen Collagen noch schwach erkennbar, in dem neunteiligen "Homo medialis" verschwindet er fast im Muster aus Kabelnetzen und Datenträgern. Völlig verbannt ist er dann aus den Farblandschaften, die Mallat für ein paar Jahre in freiem Gestus auf Hartfaser malt - bis ihn "eine heftige künstlerische Krise" heimsucht.

Mit den "Bildstörungen" findet der Künstler kurz vor der Jahrtausendwende zu einer Befreiung. Sein "Rundblick" von 2001, ein Großformat, das Ausschnitte von Landschaften, Interieurs und fotografierte Details des eigenen Körpers mit Balken und Streifen absetzt, öffnet ihm die Türen zur Teilnahme an großen Ausstellungen in Düsseldorf und München.

Längst schöpft Mallat auch aus der digitalen Bilderflut, um Gesichter, architektonische Details oder Stadtansichten für sein Collageverfahren zu finden, das nun an Eleganz gewinnt. Seine naturalistisch gemalten Figuren sitzen in der Metro und im Straßencafé; sie starren aufs Handy oder gedankenverloren vor sich hin. "Wie hinter Glas" wirken die Figuren auf dem Betrachter, schreibt Dr. Gundulas Caspary im Katalog. An Bilder des Amerikaners Edward Hopper fühlt sich die Direktorin des Stadtmuseums erinnert, die am Samstag zur Vernissage um 16 Uhr auch die Einführung halten wird. In der Tat, der Rückgriff auf die Tradition ist Mallat wichtig, wie auch seine jüngsten Bilder zeigen, in denen er Matisse und Kirchner als Pioniere der Moderne herbeizitiert.

von Annette Schroeder