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Ausschnitt aus einem Interview mit Dr. Pauline Liesen

Du hattest vor einigen Jahren eine Schaffenskrise, die dich mit der Frage konfrontierte, ob Malerei überhaupt noch als „sinnvoll“ anzusehen sei. Wie kam es zu dieser Krise und welche Lösungen konntest du finden?

Seit dem ich male, hat es hat es in meiner Malerei Krisen gegeben. Ich würde es sogar so formulieren, dass ein wesentlicher Bestandteil meiner Malerei die Bewältigung von Krisen ist. Diese Krisen besetze ich jedoch positiv. Es geht hier um Hinterfragen von gewohnten Positionen und das Bedürfnis, neue Möglichkeiten zu erkunden. Ich bin ein  Maler, der seine Arbeit als ständige Weiterentwicklung versteht. Die angesprochene Schaffenskrise war also streng genommen eine Krise, wie viele vorher – nur diesmal war es eine größere. Mitte der 90-er hatte ich mich immer mehr dem Abstrakten Expressionismus zugewendet, weil ich kaum noch eine Möglichkeit sah, in unserer Medienwelt mit ihrer Bilderflut, weiterhin mit figurativer Malerei künstlerisch Position zu beziehen. Ich entledigte mich der Auseinandersetzung mit Themen und wendete mich der reinen Malerei zu. Doch stellte sich während dieser Phase schnell heraus, dass ich mich kreativ unterfordert fühlte und persönlich kaum noch Bezug zu meinen Arbeiten hatte – und das war gefährlich! Die große Geste war berechenbar geworden und hatte damit ihre Berechtigung verloren. Gleichzeitig kam es mir so vor, als ob auch die gesamte  Malerei in einer tiefen Sinneskrise steckte. Malerei war nur noch ein Restposten in der Dokumenta-Kunst, und wenn überhaupt, so wurden sichere Positionen der Moderne ausgestellt, die irgendwie sehr altvertraut und etabliert wirkten.
 
1999 entwickelte ich das Konzept der „Bildstörung“. Ich begann alte abstrakte Bilder zu übermalen indem ich völlig  stilfremde Bildpassagen hinzufügte. Ich erkannte, dass sich die verschiedenen Elemente in ihrer Wirkung verstärkten. Zuerst waren es noch Farbfelder und Streifen, dann tauchten die ersten figürlichen Fragmente in den ansonst abstrakten Bildern auf. Die objektive Malerei erhielt immer stärkere subjektive Bildelemente hinzugefügt, und ein weites  Themenfeld breitete sich vor mir aus. Das Konzept der „Bildstörung“ erwies sich als tragfähig, denn ich hatte jetzt die Möglichkeit, einerseits Themen der Malerei abzuhandeln, andererseits aber subjektiven Fragestellungen nachzugehen.

Seit dem Jahr 2000 suchst du in nahezu allen euren Gemälden realistische Bildelemente mit abstrakten zu vereinen. Beide Tendenzen spielen unabhängig voneinander bereits eine wichtige Rolle in deinem früheren künstlerischen Schaffen. Welche neuen künstlerischen Herausforderungen ergaben bzw. ergeben sich für dich  in der Symbiose gegenständlicher und abstrakter Malerei?

Die Kombination abstrakter und gegenständlicher Elemente ist kein Novum und aus maltechnischer Perspektive nichts  Besonderes. Ein rechteckiges Element in einem Bild ist mal ein rechteckiges Element und mal eine Hausfassade. Picabia, Hockney, Richter, Baselitz, Polke sind einige bekannte Künstler, die beide Elemente in ihrem Werk bearbeiten.
 
Fast alle abstrakten Arbeiten wecken ob beabsichtigt oder nicht beim Betrachter Assoziationen. Arbeiten können bedrücken, schwermütig sein oder Leichtigkeit verströmen.  Man kann dieses Phänomen mit dem Hören einer Melodie vergleichen. Es ist also für einen Maler gar nicht so abwegig, figürlich zu arbeiten und gleichzeitig diese Möglichkeit der abstrakten Malerei zu nutzen. Ein weiterer Aspekt ist die Erweiterung der Bezugsebenen in einem Bild. Mit der Kombination objektiver und subjektiver Malerei  ergibt sich eine Vielschichtigkeit, die eine eindeutige Festlegung verhindert und dem Betrachter zusätzliche visuelle Zugangsmöglichkeiten eröffnet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Nebeneinander abstrakter und gegenständlicher Elemente die Wahrnehmung des Betrachters steigert. 

Jeder Künstler sucht sich bewusst oder unbewusst auf dem Markt zu positionieren. In welchen Kunst-Kontext ordnest du dich mit deinen aktuellen Bildwerken ein?

 Als Maler zu Beginn des 21. Jahrhunderts bin ich natürlich von den Entwicklungen der Moderne stark beeinflusst. Die Erfahrungen der Avantgarde liegen aus heutiger Sicht wie eine große Tastatur der Malerei  vor uns, wobei die abstrakten und gegenständlichen Tasten gleichberechtigt nebeneinander liegen.
 
Es ergeben sich immer neue Themenfelder inhaltlicher oder formaler Natur. In den letzten Jahren bin ich den Phänomenen der Schärfe eines Bildes, Fotografie und Malerei, verschiedener Perspektiven oder aber Möglichkeiten der Portraitmalerei, Erzählstrukturen usw. Zurzeit versuche ich die strenge Abgrenzung der verschiedenen Bildelemente  aufzuweichen und eine mehr organische Lösung zu entwickeln. Es entstehen Räumlichkeiten, die sich aus verschiedenen Räumen und Perspektiven zusammenfügen. Weiterhin hat in den letzten Arbeiten die menschliche Figur einer zentraleren Bedeutung erhalten, was sicherlich Konsequenzen inhaltlicher Natur haben wird. 

Was den Kunst-Kontext anbelangt, so gibt es sicherlich Analogien bei der Pop-Art und im Dadaismus. 

Gedanken zu „Dekorative Malerei“
Wenn man davon ausgeht, dass sich Malerei als eine ernsthafte Kunstgattung versteht, so muss es dann auch für die Malerei gelten, dass sie Realitäten hinterfragt, verunsichert  und unbequemen Themen nachgeht. Oder aber, wie es lange Zeit der Fall war, sie beschäftigt sich mit dem Phänomen der Malerei und verfolgt philosophische Fragestellungen. Auf jeden Fall sollte der Maler als agierende und denkende Person in seiner Arbeit zu spüren sein. Eine nicht dekorative Arbeit verfügt in der Regel über eine gewisse Vielschichtigkeit. Sei  es konkret im Bild oder aber durch die Themenbereiche, die eine Arbeit berührt. Solch ein Bild lässt verschiedene Betrachtungsweisen zu und gibt keine klaren Antworten sondern wirf im Gegenteil immer neue Fragen auf.

Dekorative Malerei hat all dies zumeist nicht. Sie verlässt keine abgesicherten Pfade und bedient sich mehr oder weniger geschickt aus dem aktuell herrschenden Zeitgeschmack. Diese Bilder suchen oft die „schnellen“ Lösungen und schielen mehr oder weniger stark auf den Aspekt des Verkaufs.
 
Es geht bei der Frage nach  dekorativer Malerei also hauptsächlich um die Frage: warum malt ein Maler ein Bild? Gibt es eine Botschaft, eine innere Notwendigkeit, die einen Maler dazu veranlasst, ein Bild zu malen? Oder steht der Aspekt des Verkaufs hierbei im Mittelpunkt und damit die Bereitschaft keinerlei Risiken bei der Herstellung einzugehen. Natürlich ist es klar. Dass die Grenzen fließend sind! Man muss m.E. vielen sogenannten „großen“ Malern den Vorwurf machen, dass natürlich auch Arbeiten entstehen, um die Galeriennachfrage zu befriedigen und diese Arbeiten dann oftmals sehr „gefällig“ daherkommen. Andersherum ist es nicht ausgewiesen, dass eine nicht dekorative Kunst nun auch unbedingt gute Kunst sein muss. Es gehört zum Engagement eines Künstlers natürlich auch das Talent und die Erfahrung dazu, um zu einem guten Bild zu gelangen.

Kunst muss irritieren, Distanz zur Realität schaffen, sie muss eine eigene Sprache und eigene Formen entwickeln, die es ermöglichen, veränderte Betrachtungsweisen (für die Realität) zu schaffen.

Ma 2006